Vor gut drei Jahren war ich das erste mal fasziniert von einer Mediumformat Kamera, damals einer Hasselblad 501. Ich gebe zu, mich hat in erster Linie das Produktdesign fasziniert und weniger die Technologie. Nach der ersten Recherche kam ein Bewusstsein für die Gebrauchtpreise und die Idee sich einen dieser Design-Klassiker ins Regal zu stellen verflog recht schnell.

Gut ein Jahr später saß ich bei einem Kollegen in Hamburg und wir unterhielten uns über Kameras und Technik. Als ich von meiner Mittelformat Faszination erzählte, holte er aus einer Kiste eine Mamiya 67 hervor und machte Klack, in einer Form die ich so noch nicht gehört hatte: mechanisch, laut, kraftvoll. Kein Wunder, wenn ein 6 mal 7cm Spiegel im Gehäuse anschlägt. Auch wenn meine Faszination wieder entflammte, bei dem was Filmentwicklung kostet, verwarf ich den Gedanken erneut. Auch die Alternative, ein digitales Rückteil, war nicht denkbar, denn ein CFV-50c für die Hasselblad V-Serie kostet schlappe 9.500 Euro.

Alternative Spielwiesen

Vielleicht war ich auch einfach nur bereit etwas mehr Unberechenbarkeit in meine Fotographie zu bringen. Zumindest gewann ich mit dem Wechsel von der Sony a99 auf die a7II nicht nur die Möglichkeit Objektive wie das Carl Zeiss Batis f1.8/85 zu nutzen sondern auch alle anderen Objektive. Gerade die günstigen M42 Objektive waren von Interesse, schließlich gab es vintage Objektive wie das Carl Zeiss Flektogon 35mm 2.8 in „near mint“  für um die 120 €. Das Spektrum an Objektiven welche ich so nutzen kann ist schon beeindruckend: vom Flektagon, meines ist von 1961 in der EXA Ausführung und hat eine Schnappblende, bis hin zum Batis, welches mit einem extrem schnellen Autofokus, 11 Linsen in 8 Gruppen und einem OLED-Display für Fokusentfernung und Schärfentiefe daher kommt.

Auch die gänzlich unterschiedlichen Stile der Objektive sind interessant. Neue Objektive sind darauf getrimmt extrem klare und farbgenaue Abbildung zu erzielen und dabei wenig anfällig für Lichtreflexionen (Flares) zu sein, während die vintage Objektive alle ihre kleinen Macken haben und damit eine Stilistik bieten, die digital kaum reproduzierbar ist. Ich schien auch nicht ganz allein zu sein mit diesem Interesse am Nicht-Perfekten, in einer Welt in der ständig nach Perfektion gestrebt wird und eine Fehlerkultur quasi nicht vorhanden ist. Worauf sonst begründet sich ansonsten der Trend zu Langspielplatten, dem Polaroid-Revival oder dem Bier-selber-brauen Hipster.

Sony a7II, Carl Zeiss Flektogon 2.8/30, 1/250 s, ISO100 (Film Grain lookalike in Capture One)

Der will-ich-auch Effekt

Im Mai 2016 traf ich beim stöbern auf YouTube auf ein Review von AnalogRev TV, der Titel verriet einen Vergleich zwischen der Mamiya 67 und der Pentax 67. Das Video tröpfelte so dahin und dann zeigten sie ein Foto, das sie „gerade eben“ gemacht haben. Die Tiefen saufen ab, die Lichter sind ausgewaschen, ein Schärfenpunkt kann ich nicht entdecken, aber das Bild an sich war einfach nur „Bamm“ und mein Entschluss gefasst mir eine analoge, vollmechanische Mittelformat Film Kamera zu kaufen.

YouTube: „AnalogRev: Medium Format Bargains For Portraits (Mamiya RZ67 & Pentax 67)“

Nicht perfekt aber mit Glück

Meine Wahl viel wieder auf die Hasselblad. Erstens wegen dem Anfangs erwähnten Design und weil sie im Vergleich zur Mamiya, Pentax und Zenza Bronica deutlich kompakter ist. Zudem schien der Markt an Gebrauchten am größten zu sein.

Jedoch ist sie auch eine sehr begehrte Kamera und wie ich leider feststellen musste, haben die Preise in den letzten drei Jahren deutlich angezogen. Mittlerweile legt man für eine komplette 500 C/M (Body + Normalobjektiv + Film Magazin) in mittelgutem Zustand zwischen 1.000 € und 1.350 € hin. Wenn es eine 503 sein soll, geht es gern an die 2.000 €. Mein Gedanke daher, Einzelteile zu ersteigern und so hoffentlich zum Schluss etwas günstiger zum Ziel zu kommen.

Relativ schnell hatte ich auch einen 500 C/M Body inklusive Magazin für 380 € aus dem Jahr 1973 ergattert. Wenig später ein Carl Zeiss Planar 2.8/80 für 350 € aus dem Jahr 1983 ohne Kratzer, Fungus oder Nebel. Also hatte ich ein Komplette für 730 €, was im Vergleich zu den komplett Angeboten recht günstig war. Bei genauerem Betrachten viel dann auf wo der Hacken war. Ersteinmal kam mit dem Body ein A24 Magazin für 220er Rollfilme. Nur gibt es diese Filme nicht mehr, was auch dazu führt das ein A24 im top Zustand für etwa 50 € zu haben ist, wärend ein A12 in schlechtem Zustand für 100 € über den Tisch geht. Das Zweite was ich entdecken konnte war, dass der Lichtschacht nicht mehr ganz funktionierte. Der, welchen ich mit dem 500 C/M Body erwarb, war von einer 500 C und damit etwa von 1968.

Glücklicherweise konnte mir Kamera-Service-Ostkreuz sagen, dass der Body tipptopp ist. Also erwarb ich noch einen funktionierenden Lichtschacht und hatte damit die Gesamtkosten auf 900 € getrieben. Offen blieb die Sache mit dem 24ger Magazin. Da ich aber gelesen hatte, dass man die auch mit 120 Filmen betreiben kann, war ich bereit für die erste Rolle Film. Was dann kam werde ich aber besser in einem eigenen Post beschreiben.

UPDATE: Hier ist der Folgeartikel „first roll of film“