Ende 2015 gab es die ersten ernst zu nehmenden Ideen mit analogem Mittelformat zu fotografieren und Mitte 2016 stand eine Hasselblad 500 C/M vor mir auf dem Küchentisch. Die Frage welchen Film ich nutzen soll, beschäftigte mich natürlich seit dem Augenblick als ich die Kamera auf eBay ersteigerte. Klar war, es braucht 120er Rollfilm, klar war mir auch, dass ich, zumindest anfänglich, schwarz/weiß fotografieren würde und dann hörte es mit den Klarheiten auch schon auf. Egal wen man fragt, bei der Wahl des Filmes geht es ausschließlich um persönliche Vorlieben. Internet-Recherchen alla „IlFORD H5 vs. KODAK TRI-X“ bringen dich zwar zu unzähligen Webseiten und Foreneinträge, helfen dir aber recht wenig.

Daher gab es jetzt zwei Wege. Einerseits konnte ich pseudo empirisch rangehen und mir bei Fotographen ansehen, welche Filme benutzt wurden bei den Bildern, die mir besonders gefielen. Das ist eine recht einfache Methode, ich hab das auch schon früher, als ich gar keine Ahnung hatte, so gemacht und konnte feststellen, dass Portraits, die mir gefielen, nahezu immer mit Brennweiten zwischen 35mm und 85mm (KB) fotografiert wurden. Dass 200er Brennweiten (KB) Menschen irgendwie merkwürdig verzerren und dass dies zwar oft praktiziert wird, aber nicht mein Stil sein wird. Die andere Methode wäre gewesen, sich rein sachlich zu entscheiden.

Ich hab natürlich erstmal geschaut, welche Filme Jan Scholz benutzt, dessen Bilder mich nahezu ausnahmslos faszinieren. Das half nur nichts. Auch André Pfützenreuters großartige Bilder halfen mir genauso wenig wie andere Seiten von Filmphotographen, trotz der gelegentlichen Nerd-Infos, weiter. Denn neben dem verwendeten Film waren die verwendete Kamera (KB/MF/GF), Objektiv, der Entwickler und am Ende sogar der verwendete Scanner Einfluss gebend auf das Ergebnis. Rückschauend auch alles vollkommen logisch. Also verließ ich mich mal kurz entschlossen auf Hersteller Informationen und Ene,mene, muh: Es wurde Ilford Delta 400.

Da lag also die Hasselblad 500 und der 120er Rollfilm und die Frage, wie bekommt man den jetzt in ein 6×6 Magazin? Das Handbuch von 1973 war wenig aussagekräftig und daher war youtube hier die Hilfe. Ich bin keine Fan von solchen Tutorials, oft sind 10% Werbung, 80% Eigenwerbung und der Rest schlecht zu verstehen oder belanglos. Ich habe aber doch eines gefunden, das half. Wenn man drei Hände hat, geht es auch ganz einfach. Eine Hand, um den Film einzufädeln, eine, um ihn an der anderen Seite straff zu halten und eine, um den Film bis zum Start zu drehen. Ganz einfach.

Und nun? Wild drauf los knipsen verbot sich, aus Ehrfurcht und aus Kostengründen. Jetzt kann man eigentlich bei einer analogen Mittelformat Kamera nicht viel falsch machen. Licht messen, Blende und Verschlusszeit einstellen, Bildausschnitt wählen, fokussieren, auslösen, Kamera wieder aufziehen (spannen), fertig. Aber man kann sich selber Fallen stellen. So ist es mir z.B. gelungen das erste Bild gar nicht zu belichten, denn ich habe die Kamera ungespannt an das gespannte Magazin gesteckt und dann die Kamera aufgezogen. Schon hatte ich auf dem Magazin Bild #2 stehen und noch kein Bild gemacht. Dies hatte ich aber nicht bemerkt und als ich es bemerkte, versuchte ich nachzuvollziehen was passiert war und hab es auf dem Weg gleich noch mal … gut also Bild #3.

Zwölf Bilder hat so ein Film und zwei waren jetzt weg. Ab jetzt mehr Konzentration, bitte. Wenn man die Kosten für Film, Labor und Scannen zusammenrechnet kommt man auf 2 bis 3 Euro pro Bild. Selber entwicklen und scannen kann einiges sparen, aber ich mach nicht noch ein Thema auf. Zehn Bilder. Es ist erstaunlich, wie selten es ungeplant Situationen oder Ansichten gibt, welche wirklich auf Film gebannt werden sollten, wenn jedes Auslösen zwei Euro kostet. Um so erhabener ist es auf den Auslöser zu klicken, wenn sich die Situation ergibt und es brauchte mehr als eine Woche bis auf dem Magazin die #12 stand und eine ganz neue Frage auftauchte: Wie entnimmt man denn Rollfilm?

Im Gegensatz zu Kleinbildfilmen (35mm), welche am Ende wieder zurück in Ihre Hülle gekurbelt werden, ist bei Rollfilm lediglich die Rolle zu entnehmen. Der Film wurde durch das fotografieren quasi von einer Rolle auf die andere Rolle transportiert. Sehr simpel. Fraglich ist wieder, ob die Foren-Antwort „einen 120er Film kann man 1A auch in einem 24er Magazin verwenden“ auch wirklich stimmt. Also Abwarten bis der Film entwickelt ist.

Hier, bei mir in Berlin Mitte, gibt es zum Glück eine sehr gute Versorgung mit Film-Dienstleistern. Da sind zum Beispiel die Fotopioniere mit einem super Laden an der Weberwiese, sehr freundlich oder Fotoimpex gleich bei mir um die Ecke am U-Bahnhof Weinmeisterstraße, sehr nett und fachkundig und dann gibt es noch Pixel Grain zwischen Hackescher Markt und Alexanderplatz. Qualitativ Spitze und dazu noch sehr, sehr schnell. Einziges Manko, das „Servicepersonal“ ist, sagen wir mal etwas wortkarg.

Mein Film ging Montag morgen 10 Uhr zu Pixel Grain ins Labor und ich konnte ihn um 17 Uhr entwickelt und gescannt abholen. Für den ersten Film habe ich dann als extra Erinnerung noch einen 18×24 Kontaktabzug mitbestellt. Auf dem Heimweg von der Arbeit, hab ich den Film abgeholt und saß jetzt wieder am Küchentisch, die Spannung war groß und dann Freude und ein wenig Entäuschung. Ich wusste ja von mind. zwei Bildern, die nichts geworden sein konnten, doch zu den von mir selbst verursachten Fehlbildern kamen noch einige hinzu, denn die Sache mit dem 12er Film im 24er Magazin ging wohl doch nicht so gut wie erhofft. Letztendlich wurde der Film nicht richtig im Magazin transportiert. Was dazu führte, dass es zwar schöne und gut belichtete Bilder gab, aber einige Bilder von anderen überlagert wurden. Es blieben 5 Bilder aus dem ersten Film, die vorzeigbar waren.

Mit dem nächsten Film wurde alles besser, erstens, weil es ein geplantes Shooting war, zweitens, weil ich mittlerweile ein 12er Magazin in fast neuem Zustand ersteigern konnte und drittens, weil ich mich als nächstes für den Ilford HP5 entschieden hatte und mir der etwas stärkere Filmgrain besser gefiel.