Ich weiß nicht, wann und was mich dazu animiert hat, mir zu der analogen Mediumformat Kamera auch noch eine analoge 35mm Kamera zuzulegen. Ich vermute, es passierte als ich einen Artikel von Dan K. auf der Seite von Bellamy Hunt gelesen habe (Dan K’s Top 10 Manual Film SLRs). Denn neben den spielerischen, kindlichen Motivationen weitere vintage Kameras zu haben gab es natürlich ganz sachliche Gründe.

So ist eine 35mm Filmkamera deutlich handlicher und natürlich dank des 36er Filmes viel praktischer und zudem sind solche Kameras auch Anlageobjekte wenn sie in einem sammelwürdigen Zustand sind. Und und und, es ist sehr leicht sich das schön zu reden.

Mit der Liste von Dan K. hatte ich ja eine hervorragende Grundlage sammelwürdiger Kameras und nur die Einschränkung der Verfügbarkeit zu Preisen, die ich auch bezahlen konnte und wollte. Zudem natürlich technische und ästhetische Vorlieben. Relativ schnell hatte ich eine Nikon FM2n aus dem Jahr 1990, die in einem hervorragenden Zustand kam. Sicherlich wäre eine FM3a ebenfalls interessant gewesenen, jedoch auch deutlich teurer und die FM2n bringt ebenfalls eine extrem robuste Verarbeitung, super schönes Design und für die 90er eine beachtliche Verschlusszeit von 1/4000s.

Zugleich suchte ich für Jule, die engste Freundin meiner Frau, eine analoge Kamera. Denn sie wollte wieder mit der Filmphotographie und dem Entwickeln von Film anfangen. Ich wollte das unterstützen und ihr eine Kamera als Dauerleihgabe geben.

Also suchte ich eine weitere 35mm Kamera und fand eine für ihre Zeit ebenfalls revolutionäre: die Olympus OM-2. Klein, kompakt, robust. Mit Belichtungsmessung, Zeitautomatik, Belichtungszeiten bis 1/1000s und einem Gewicht von 520g ohne Objektiv. Auch die Preise für Gebrauchte waren mit 50 bis 150 Euro je nach Zustand durchaus angenehm. Ich fand eine sehr gut Erhaltene inkl. einem Zuiko Auto-S f1.8/50 für 120 Euro.

Die Kamera kam am Freitag an. Top verpackt, mit Extras. Sah aus wie neu und war doch aus dem Jahr 1983. Alle Einstellknöpfe hatten Spannung und rasteten sauber ein, die Mattscheibe hatte einen Schnittbildindikator und einen Mikroprismenring und war wie das Objektiv ebenfalls klar und kraterlos. Einzig der Lederbezug fing an sich an zwei Stellen abzulösen und die Dichtungen an der Filmklappe müssen demnächst getauscht werden. Ich war sofort begeistert und selbsverständlich wollte ich die Kamera testen bevor ich sie an Jule weiter gebe.

Auf dem Nachhauseweg ging ich bei fotoimpex in der Alten Schönhauser vorbei um frischen Film zu kaufen. In einem Anfall von „get wild“ landete so in der Olympus OM-2 ein foma Retropan 320 soft. Ein wenig gewagt ist es sicherlich, einen unbekannten Film in eine unbekannte Kamera zu packen. Dem entsprechend war dann auch das Ergebnis.

Die Olympus hat sich 37 (!) Bilder lang fabelhaft gezeigt und obwohl die Kamera neu für mich war, fühlte es sich eher so an, als wenn ich sie schon ewig kenne. Nichts lenkt vom Fotografieren mehr ab, als eine Kamera, bei der die Ergonomie nicht stimmig ist. Ständig sucht man nach etwas und konzentriert sich mehr auf die Technik als auf das Bild. Bei der Olympus ist die Ergonomy super und da die Verschlusszeit, wie auch Blende und Fokus am Objektiv eingestellt wird, liegt somit alles in der linken Hand, wärend die Rechte nur mit dem Halten der Kamera und dem Auslösen beschäftigt ist. Man muss also nicht, wie bei den meisten Kameras, umgreifen, wenn man die Verschlusszeit ändern möchte.

Der Retropan 320 soft ist jedoch nicht nach meinem Geschmack. Zu viel Korn, zu weich, zu geringe Detailabbildung, kaum beherrschbare Kontraste. Obwohl der Umfang der Grauabstufungen beeindruckend ist. Vielleicht liegt es auch an meiner Motivwahl oder meiner Stilistik, aber mein Film ist es nicht.

Conclusion

Die Olympus OM-2 ist kompakt und komfortabel. Dank der Zeitautomatik erlaubt sie street photography auch bei schnell wechselnden Lichtverhältnissen. Mit dem Zuiko Auto-S f1.8/50 läßt sich präzise fokussieren und die Offenblende von f1,8 reicht mir vollkommen aus. Objektive mit größeren Blenden würden deutlich mehr Gewicht und Größe bedeuten.

Der foma Retropan 320 soft ist vor allem erstmal soft. Auch wenn zu erkennen ist, dass er ein hohes Spektrum an Graustufen abbilden kann, hab ich keine guten Anwendungsfälle gefunden. Das Korn ist heftig und auch nicht besonders schmeichelhaft für Porträts. Für Street und Architektur Fotografie ist das Korn auch nicht praktisch und die Abbildung auch zu weich. Sicherlich gibt es grandiose Bilder, welche mit dem foma Retropan gemacht wurden, aber für mich wird es bei dem einen Versuch bleiben.