Spätestens in den 1930er Jahren, mit dem Beginn von automatischer Belichtungsmessung, wurde Fotographie ein Massenthema und seitdem wurde die Welt von Generationen bereist und fotografiert. Also eigentlich keine bedeutende Sache im Jahr 2016 mit einer analogen Kamera Florenz zu bestaunen. 

Dennoch, es ist eben nicht mehr die Regel auf Urlaubsreisen analoge Kamera und Film mitzuführen. Bei den ordinären Touristenströmen wurde mittlerweile selbst die Digitale schon vom Selfiestick abgelöst. Und damit hat sich auch die Wahrnehmung der Umgebung verändert, aber der Reihe nach: Wir sind im Spätsommer mit dem Zug nach Florenz gereist. Erst mit dem ICE von Berlin nach München und dann mit dem City Night Line 485 über Bologna nach Florenz. Da die DB dieses Nachtzug-Angebot zum Ende des Sommerfahrplanes einstellt, war es schön diese Erfahrung noch machen zu können. Es ist etwas Anderes zu einem Ort zu reisen als einfach „mal kurz“ hinzufliegen.

Wir kamen morgens um sieben am Bahnhof Firenze Santa Maria Novella an. Früh genüg um mitzuerleben wie die Stadt erwacht, die Schüler sich sammeln und gemeinsam redend, gestikulierend zur Schule zu gehen. Sonst waren die Straßen noch recht leer. Wir gingen mit den Schülern in Richtung Ponte Santa Trinita in dessen Nähe unsere Unterkunft lag. Morgens kurz nach sieben standen wir auf der Brücke über dem Arno, über dem langsam die Sonne aufging.

Ponte alla Carraia und Ponte Vecchio, Hasselblad 500 C/M, Carl Zeiss Planar 2.8/80 CF, Fujifilm Pro 400 H, Epson Scan

Ponte alla Carraia und Ponte Vecchio
Hasselblad 500 C/M, Carl Zeiss Planar 2.8/80 CF, Fujifilm Pro 400 H, Epson Scan

Ich hatte mich vor der Reise entschieden diesmal ausschließlich analog zu fotografieren. Denn ich wollte weder auf die Hasselblad 500 C/M noch auf die Nikon FM2n verzichten und mehr als zwei Kameras mitzunehmen, hielt ich für Blödsinn. Die Tasche füllt demnach auch einiges an Film. Für das Mittelformat hatte ich Fujicolor Pro 400 H und Kodak Tri-X im Gepäck, für die 35mm war es Fujicolor Pro 400 H, Kodak Ektar 100 und Kodak T-Max.

Es war Spätsommer und somit tagsüber angenehm warm und für die meisten Situationen gab es genügend Licht. Natürlich nur, wenn man nicht in den Uffizien oder dem Palazzo Pitti versucht jedes Meisterwerk der Renaissance abzufotografieren. Ich empfinde es als befremdlich, wenn Massen von Touristen, immer schön getrennt in Landesgruppen, gesteuert von ihren Kopfhörern durch Museen strömen. Der Audioguide verführt sie zum lauten Reden und sagt ihnen vermutlich auch was sie fotografieren sollen. Die Krönung war eine Russin mit Smartphone am Selfistick: sie kam zügig in den Raum der Uffizien in dem Botticellis „Die Geburt der Venus“ hing, stellte sich vor das Bild machte ein Foto von sich selbst vor dem Kunstwerk und ging zügig wieder raus. Sie selbst hat sich das Meisterwerk nicht eine Sekunde lang angesehen.

Unsere Florenz-Woche füllte sich grundsätzlich mit dem ganz normalen Touristenprogramm, angefangen mit den Uffizien, über den Palazzo Patti, der zusätzlich noch mit einer Karl Lagerfeld Ausstellung aufwartete, der Galleria dell’Accademia bis hin zum Gucci Museum. Die Stadt an sich, Kirchen, Plätze und Märkte. Zum Glück ist die Stadt nicht all zu groß und für italienische Verhältnisse sehr entspannt.

Ich hatte im Vorfeld über eine Facebook-Gruppe Kontakt zu Simon, der aus Florenz ist und das Interesse an analoger Fotographie teilt. Simon hat mir neben einigen Tipps für Essen und Trinken auch Adressen von zwei Geschäften geschickt die vintage Kameras und Film verkaufen. Da wäre zum einen Ottica Serraglini, ein kleines Geschäft in der Via Pietrapiana 26 und zum anderen Ottica Bongi in der Via Por Santa Maria 82. Gerade Ottica Serraglini ist sehr zu empfehlen, er wird von einem Ehepaar betrieben. Der Laden existiert seit 70 Jahren und ist in der dritten Generation vom Vater auf den Sohn übergegangen. So wie ich den Inhaber verstanden habe, wird allerdings die Kette mangels Nachkommen mit ihm enden.

Wir haben in den Tagen in den Food-Märken wunderbare Lebensmittel kaufen können und für die Qualität, die geboten wurde, auch zu günstigen Preisen und daher auch viel in unserer Unterkunft gekocht. Zudem haben wir wunderbare Küche gehabt, in Restaurants und auf den Märken. Wenn man am frühen Abend einen Platz sucht, für den Aperitivo, ist die Piazza Santo Spirito zu empfehlen. Hier trifft man sich gern und mir sind sofort ein paar Leute begegnet die auch analog fotografierten. Keine Touristen, Florentiner. Und da mir die Hasselblad über die Schulter baumelte kamen wir schnell ins Gespräch. Spannend war festzustellen, dass sie ganz ähnliche Bewegründe haben digital im Schrank liegen zu lassen. Die Piazza Santo Spirito ist auch am Sonntag sehr zu empfehlen, den dann ist dort ein sehr gut sortierter Flohmarkt, mit wunderbaren Waren und einer schönen Stimmung.

Zurück zur Fotografie. Würde ich wieder mit der analogen in den Urlaub fahren? Ja, klar. Sicherlich gab es Situationen in denen eine Digitale mit guten ISO-Eigenschaften noch Bilder erfasst hätte, wo ich mit meinem ISO 400 Film einpacken mußte. Zudem ist Streetfotografie mit einem schnellen Autofokus auch einfacher. Zumindest die Kombination aus Offenblende und sich schnell bewegenden Menschen ist schwer zu meistern mit einem manuellen Objektiv.

Beeindruckt haben mich dagegen einige der Architektur- und Landschaftsbilder. Die Details und die Farben welche mit der Hasselblad auf den Fujifilm gebannt wurden sind erstaunlich. Auch die Klarheit und der Farbraum, welche mit dem Kodak Ektar und der Nikon entstanden, erstaunen mich nach wie vor. Da mir der Ektar gelegentlich zu stark ins Orange driftet sind mir Fuji Pro und Kodak Porta deutlich lieber geworden.

Lab: Pixel Grain
Photography/Copyright: Christoph Ammon